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Newsletter · Ausgabe #17 · Kostenlos
NEU·ERFUNDEN
KI für Frauen, die sich neu erfinden · 15. Juni 2026
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Seit einiger Zeit beobachte ich auf Kleinanzeigen die Preisentwicklung für ein bestimmtes Elektrocello. Ich kenne den Markt. Ich weiß, was normal ist.
Gestern kam ein Vorschlag ins Postfach: dasselbe Modell, Preis deutlich unter dem üblichen Niveau. Zu gut, um wahr zu sein? Ich habe Claude gefragt.
Claude hat mich nicht beruhigt. Er hat mich gebeten, alle Informationen hochzuladen: die Beschreibung, die Online-Fotos — und er hat empfohlen, beim Verkäufer weitere Bilder anzufragen, die noch nicht in der Anzeige waren. Seine erste Einschätzung: Bei einem auffällig niedrigen Preis gibt es drei Möglichkeiten. Betrugsversuch. Technischer Defekt, der nicht beschrieben ist. Oder ein echter Schnapp. Er hat mir gesagt, was ich sehen muss, bevor er urteilen kann.
Ich habe die zusätzlichen Fotos bekommen und hochgeladen. Claude hat alles geprüft und geschrieben — mit Ausrufezeichen — dass es sich um ein hochwertiges Gerät handelt, genau wie beschrieben, und dass ich sofort kaufen soll, sofern keine versteckten Schäden vorhanden sind, die auf Bildern nicht erkennbar wären.
Heute steht das Cello vor mir.
— Daniela Twardy
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01 KI-Tool der Woche
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Claude · der KI-Assistent, der Bilder liest
Kostenlos testbar · auf Deutsch · versteht Fotos, Texte und Dokumente
Claude ist der KI-Assistent von Anthropic — demselben Unternehmen, das in Ausgabe #01 vorgestellt wurde. Was Claude besonders gut kann: Bilder analysieren. Du ladăst ein Foto hoch, beschreibst die Situation, und Claude sagt dir, was er sieht. Nicht ausweichend, sondern konkret.
Das macht ihn nützlich für genau die Situationen, in denen man einen zweiten Blick braucht: Gebrauchtkauf auf Kleinanzeigen oder eBay, Vertrag überprüfen, Foto eines Produkts einschätzen. Claude schaut auf dieselben Informationen wie du — und bringt dabei keine persönlichen Vorlieben oder Scheuklappen mit. Er sieht, was da ist.
Was er nicht kann: den Verkäufer einschätzen, die Haptik beurteilen, oder garantieren, dass das Gerät funktioniert. Aber er kann dir sagen, was auf den Fotos auffällig ist, welche Fragen du noch stellen solltest — und ob der Preis grob im Rahmen liegt.
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💡 Mein Beispiel: Ich habe alle Fotos und die Beschreibung des Cellos hochgeladen und gefragt: „Was siehst du? Worauf sollte ich achten, bevor ich kaufe?“ Claude hat auf einen Kratzer am Korpus hingewiesen, den ich auf dem Foto nicht bewusst wahrgenommen hatte, hat erklärt, dass der Bogen auf einem Bild fehlt und ich fragen sollte ob er dabei ist, und hat eingeschätzt, dass der Preis für den sichtbaren Zustand vertretbar ist. Ich habe den Verkäufer noch zweimal gefragt. Heute steht das Cello bei mir.
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02 Sofort-Tipp
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Gebrauchtkauf prüfen mit Claude · in 5 Minuten
Das nächste Mal, wenn du auf Kleinanzeigen oder eBay etwas siehst, das dich interessiert — bevor du kaufst:
Schritt 1 · Claude öffnen und Fotos hochladen:
Geh auf claude.ai im Browser. Du brauchst ein kostenloses Konto. Klick auf das Büroklammer-Symbol im Chatfeld und lade alle verfügbaren Fotos hoch. Je mehr, desto besser.
Schritt 2 · Die richtige Frage stellen:
Schreib dazu: „Das ist ein [Produkt], das ich auf Kleinanzeigen für [Preis] kaufen möchte. Schau dir die Bilder an. Was fällt dir auf? Worauf sollte ich achten, bevor ich kaufe? Und ist der Preis für den sichtbaren Zustand realistisch?“
Schritt 3 · Nachfragen:
Wenn Claude etwas erwähnt, das du nicht verstehst: einfach nachfragen. „Was meinst du mit [Begriff]? Wie erkenne ich das vor Ort?“ Claude erklärt, was du beim Abholen konkret prüfen solltest.
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⚠️ Wichtig: Claude sieht nur, was auf den Fotos zu sehen ist. Geräusche, Haptik, versteckte Schäden — das bleibt deine Aufgabe beim Abholen. Claude ist die Vorbereitung, nicht der Ersatz für den eigenen Augenschein.
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03 KI-News der Woche
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Vorsicht beim Gebrauchtkauf: Betrüger fälschen jetzt Ausweise mit KI
Passend zu meiner Cello-Geschichte eine Warnung, die in die andere Richtung geht. Auf Kleinanzeigen und eBay setzen inzwischen auch die Betrüger KI ein. Sie lassen sich von KI-Chatbots in Sekunden gefälschte Personalausweise und Rechnungen erstellen und schicken dir diese als „Beweis“, damit du Vertrauen fasst und vorab zahlst.
Das Tückische: So ein Foto sieht auf den ersten Blick echt aus. Bei genauem Hinsehen verraten sich die Fälschungen aber. Bei einem gemeldeten Fall war die Unterschrift offensichtlich eine Computer-Schriftart, und die marmorierte Rückseite des Ausweises war einfach gespiegelt — dasselbe Muster fand sich seitenverkehrt in der Tischplatte daneben wieder.
Zwei Faustregeln schützen dich besser als jedes Dokument: Erstens, ein Preis weit unter dem üblichen Niveau (mehr als 20 Prozent günstiger) ist fast immer ein Warnsignal. Zweitens, ein serioser Verkäufer schickt dir kein Foto seines Personalausweises — und lässt sich nicht zu Vorkasse außerhalb des Käuferschutzes drängen. Genau deshalb lohnt es sich, die Anzeige-Fotos lieber von einer KI prüfen zu lassen, statt den schönen Belegen der Gegenseite zu glauben. Und sich nie unter Zeitdruck setzen zu lassen: Wer drängt, hat meist etwas zu verbergen.
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„Der Verstand ist kein Gefäß, das gefüllt werden muss, sondern ein Feuer, das entzündet werden will.“ — Plutarch
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Bis nächsten Montag · Daniela
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